Kapitalismus aus Sicht (1): von Lehrbüchern
Zur neuen Serie „Kapitalismus aus Sicht…“
Verschiedene Perspektiven können etwas ungemein erquickendes haben. Im Idealfall helfen sie, ein Phänomen ganzheitlicher zu betrachten und die Beweggründe verschiedener Akteure besser zu verstehen.
Die Serie „Kapitalismus aus Sicht…“ beginnt damit, unser Wirtschaftssystem aus verschiedenen Sichtweisen darzustellen. Wir versuchen nicht, aufzuzeigen, was unserer Meinung nach richtig ist und warum andere Positionen fehlgeleitet sind. Der geneigte Leser mag sich sein eigenes Urteil bilden.
Kapitalismus aus der Sicht von Lehrbüchern
… aus Frankreich: „la mcdonaldisation du monde“
- Wirtschaftliches Wachstum „erzwingt einen hektischen Lebensstil, der zu Überarbeitung, Stress, nervösen Depressionen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und, so sagt man, sogar Krebs führt“.
- „[T]the 21st century begins with “an awareness of the limits to growth and the risks posed to humanity [by economic growth],” any future prosperity “depends on the regulation of capitalism on a planetary scale.”“
- Kapitalismus ist „brutal“, „wild“ und „amerikanisch“.
… aus Deutschland: “The Return of the Dark Ages.”
- Computer und Roboter sind Gründe für Arbeitslosigkeit.
- „Im Abschnitt „Soziale Marktwirtschaft und Globalisierung“ eines Politiktextes von Klett stehen die Überschriften „Der tägliche Kampf“, „Kapital ersetzt Arbeit“ und „Moderne Sklaverei“.“
- „In einem Handbuch zum Thema Globalisierung des Cornelsen-Verlags stehen Kapitelüberschriften wie „Rückkehr des Mittelalters“, „Rückkehr des Manchester-Kapitalismus“ und „Brasilianisierung Europas“.“
… aus den USA: Unternehmer sind willkommen.
- „Der Unternehmer ist willkommen als jemand, der Risiken eingeht und sein Geld und Talent dafür einsetzt, neue Unternehmungen in Gang zu setzen.“
Einige statistische Folgen
„Vorurteile über Wirtschaft beeinflussen Karriere- und Lebensentscheidungen, wie die legendäre Fixierung französischer Universitätsabsolventen auf den Staatsdienst. Nur rund 40 Prozent der Deutschen und Franzosen wären gerne ihr eigener Chef, verglichen mit 60 Prozent der Amerikaner.Doppelt so viele Deutsche wie Amerikaner sagen, man solle kein Unternehmen starten, wenn das Risiko besteht, zu scheitern. Dass deutsche Kinder lernen, der Markt sei ein gefährlicher Dschungel, fördert nicht unbedingt ihren Unternehmergeist. In den Vereinigten Staaten werden mehr als die Hälfte aller Jobs in Unternehmen geschaffen, die jünger als fünf Jahre sind. Auch in Deutschland bauen die Großunternehmen, auf die sich Schulbücher wie politische Debatten fixieren, Jobs eher ab als auf.“
Alle Zitate stammen aus:
Stefan Theil, „Europe´s Philosophy of Failure“ in: Foreign Policy Jan/Feb 2008
Stefan Theil, „Wie unsere Schulen Wirtschaft lehren – Von Raffgier und Ausbeutung“ in: FAZ vom 20.01.2008

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