Dialektischer Nonsens (1)
Die Legitimation der Tatenlosigkeit
Relativismus ist salonfähig, um nicht zu sagen „in“, geworden. Anthropologen und Ethnologen werden nicht müde, auf „kulturelle Unterschiede“ hinzuweisen und Studenten der Sozial- und Geisteswissenschaften meinen, jeden Aufsatz mit einem „meiner Meinung nach“ einleiten zu müssen, um ja nicht festgenagelt zu werden.
Manch einer stellt sich sogar die Frage, ob es legitim sei, offensichtliche Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern öffentlich zu verurteilen.
„Wenn es eben zu ihrer Kultur gehört, Frauen zu verstümmeln, dann müssen wir das akzeptieren!“
Tatsächlich? Kulturrelativisten sind die neuen Apologeten der Enthaltungskultur; die überfällige Legitimation des Nichtstuns.
Wissen und Meinung
1963 versetzte Edmund Gettier die akademische Welt in Aufruhr. Gettier genügte ein dreiseitiger Aufsatz, um die klassische Wissensdefinition zu widerlegen. Während das „Gettier Problem“ Erkenntnistheoretiker bis heute beschäftigt, begnügt sich der Normalbürger mit klassischem Skeptizismus. Kaum einer behauptet noch, etwas zu wissen. Eine Meinung hat jeder, und jene sind nunmal relativ.
Auf der Suche nach einem tragfähigen Fundament, einer letzten Bastion der Sicherheit im Weltmeer des Wandels und der Unsicherheit, wendet sich unsere Spezies an:
A) Gott
B) sich selbst
C) Logik
D) das Kapital
E) die goldene Regel
F) spirituelle Selbsterfahrung
G) weiteren esoterischen Quatsch
Ich bin für:
A) weil seine Durchlaucht mit unserem klitschokleinen Intellekt nicht falsifiziert werden kann.
B)weil ich meiner Mama glaube, wenn sie mir glaubhaft versichert, man könne sich auf niemanden verlassen.
C) weil das doch logisch ist!
D) weil Anarchie und Marxismus doch cool sind. Vor allem mit so Aufnähern von Ebay und so.
E) weil Gold für Exzellenz steht und ich viel zu apathisch bin, um irgendwas zu tun.
F) weil ich das gestern aus meinem Kaffeesatz gelesen habe.
G) weil Rationalität per definitionem männlich, weiß und kriegslüstern ist, während ich, die braune, naturverbundene Urwaltindianerin für eine bessere Welt (Matriarchat) qua Ablehnung der männlich-imperialistischen Denkweise bin.
H) weil ich dagegen bin.
Am Ende war der Anfang
.. das falsche Bewusstsein besitzen inzwischen wir Europäer und Roland Koch wird Kanzlerkandidat.

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