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Das Fernsehen und sein Sklave (1)

Das deutsche Fernsehen ist schlecht. Aber es ist weitaus besser, als es in der öffentlichen Wahrnehmung dargestellt wird - auf das Genre kommt es aber an. Gerade im Bereich Nachrichten und Dokumentationen müssen sich die Öffentlich-Rechtlichen nun wirklich nicht verstecken. Auch die vielgescholtenen Politikertalks sind nicht durch die Bank Abschaltgründe.

Doch im Unterhaltungsgenre gelten andere Gesetze. Der Tatort ist eine Art letzte Bastion während schnulzige Filmchen mit Bettina Zimmermann und/oder Max Tidof dem Betrachter genauso den letzten Nerv rauben wie Oliver Pocher, der zur Zeit die röchelnden Überreste des ehemaligen Granden des Fernsehhumors kreuz und quer durch das Tal der Lächerlichkeit schleift. Von den kleineren Privaten, die sich nur noch über Call-In-Shows zu finanzieren scheinen, sehe ich an dieser Stelle ab - denn auch die Großen leiden an einem schrecklichen Maß an Ideenlosigkeit.

Die Serien oder Programme, die man sich noch gerne anschaut, lassen sich an einer halben Hand anschauen. Aber es gibt Hoffnung: Ein Blick über den Kanal oder den atlantischen Ozean reicht, um gutes Fernsehen zu entdecken. In dieser Reihe werde ich ein wenig zusammenklauben, was ich an amerikanischen und britischen Fernsehsendungen gesehen habe und ein qualifiziertes Urteil darüber abgeben, warum ich sie gut finde.

Den Anfang macht eine Serie, die mich gerade in ihren Bann gezogen hat: The West Wing.

Ein Blick hinter die Kulissen des West Wing, jener Teil des Weißen Hauses, in dem neben dem Oval Office auch der engste Kreis von Mitarbeitern des US-Präsidenten beheimatet ist. Josiah Bartlet (Martin Sheen) ist der demokratische Amtsinhaber, der mit seinen liberalen Ideen gegen einen Senat und ein Repräsentantenhaus regieren muss, wo die Republikaner jeweils die Mehrheit stellen.

In dieser fiktiven Welt dreht sich letztendlich alles um die Konfrontation von Idealismus und den unangenehmen Zwängen der Realpolitik. Ein bisschen liberaler Wunschtraum steht immer im Raum, prägt die Atmosphäre. Oft gibt es naiv wirkende Plädoyers von den Mitarbeitern einer Administration, die von Kritikern der Serie als revisionistische Aufarbeitung der Clinton-Präsidentschaft bezeichnet wurde. Doch gerade das macht die Serie und ihre Protagonisten so charmant. Der Spagat zwischen Realismus und Idealismus gelingt. Es werden wirkliche Probleme angesprochen. Völkermord in Afrika, islamistischer Terror, die vor dem Zusammenbruch stehenden sozialen Sicherheitssysteme und der religiöse Eifer von Abtreibungsgegnern gehören zu den vielen Eindrücken, die aus der täglichen Zeitungslektüre mehr als bekannt sind.

Ein weiteres Argument für die Serie ist der leise, sympathische, lebensnahe Humor, der selbst die Hardcore-Unterhändler und Polit-Profis menschlich erscheinen lässt, ohne sie lächerlich zu machen. Diabolische Charaktere gibt es in beiden politischen Lagern, genauso echte Gutmenschen, die wirklich an Freiheit und Demokratie glauben. Demokraten blockieren Waffenkontrollgesetze und Republikaner eilen dem Präsidenten zu Hilfe. Solche Momente gibt es häufig aber nicht inflationär - der Realismus bleibt bestehen.

The West Wing lohnt sich dabei auch für den europäischen Zuschauer, ermöglicht einen echten Einblick in die Denkschemata einer Bevölkerung, die dem säkularen Erbe der Founding Fathers abgeschworen zu haben scheint und doch bis heute einen echten Pluralismus pflegt (eine Tatsache, die in Europa gerne vergessen wird, weil Demokratie hierzulande gern zur linken Ideologie erklärt wird).

Anschauen!

~ von domke am Januar 14, 2008.

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